Anklage des niederen Primaten gegen den Menschen

Schande über dich, Erzrebell der Natur!

Auf ewig soll die Furcht gegen dich

tiefsten Hass begründen.

Soll das Leid, dem du entflohst,

mit erbitterter Vergeltung über dich kommen.

Ein Aussätziger bist du, eine kranke Kreatur.

Doch in ihrer Gnade segnete die Natur dich mit Scharfsinn

und machte dich uns geistig überlegen

während dein Körper verkrüppelt blieb.

Als einer der Niedersten warst du bestimmt,

Als Beute für die Räuber

und Humus für die Pflanzen.

 

Doch du hast dich gegen die Natur und ihre Pläne gewendet.

Deine Wurzeln selbst hast du verraten.

Schuld trägst du an unserem Leid, Schuld an deinem eigenen.

Denn als die Natur kein Ebenbürtiger mehr für dich war,

hast du dich gegen dich selbst gewendet.

 

Krone der Schöpfung!

du bist nicht mehr als ein Fehler der Natur.

Warum hast du dich erhoben, deinen Platz nicht anerkannt,

den dir die Natur zugestand?

Doch deine Weigerung allein war es nicht,

die Schuld auf dich lud.

Warum hast du zunichte gemacht,

was dich einst geschaffen hat?

 

Denn auch zu dir war man gerecht.

Dir wurde gegeben, was man allen Geschöpfen sonst verweigert hatte.

Du allein bist es, dem man Bewusstsein schenkte.

Du kannst fühlen, was wir uns nicht mal erträumen können.

Du kannst erschaffen, was wir nicht verstehen.

Doch du hast vergessen, wer dich einst beschenkt hatte.

Denn gegen alles und jedes wendest du dich nun.

 

Der Tag wird kommen, wo sich dein Geschenk als Last herausstellen wird,

der Tag, an dem du deinem Ende nahestehst

und das Leid unerträglich wird.

 

Gegenrede des Menschen

Keinem Tier wurde gleiches Leid zuteil!

Zu keinem war die Natur grausamer als zu mir.

Von Geburt an war ich gezeichnet

als fehlerhafte Kreatur.

 

Doch mit welcher Tat verdiente ich diese Strafe?

Nur eine boshafte Laune übertrug mir diese Bürde.

Und als mein Leid am größten schien,

übertrumpfte die Natur abermals ihre Grausamkeit.

Das einzige Geschenk, das man mir zugestandt

ließ mich mein Leid erst begreifen.

In die Ecke trieb man mich

und hat mir alles genommen.

Ich war der Belogene,

Der ewig Betrogene!

 

Was wagst du dich, zu urteilen?

Die Natur hat Mensch und Tier nicht gleich geschaffen.

Nie waren wir als ebenbürtig bestimmt.

Was hat die Natur in dir ausgedrückt?

All die Schönheit, all die Pracht

findet sich in deinem Reich.

Tier und Gewächs sind es,

die die Natur aus Liebe und Gewissen geschaffen hat.

Befindet sich nicht ihr Herz in den Wäldern,

wo euresgleichen haust?

Egal wie sehr der Mensch euch Tiere jagt und eure Bäume vernichtet,

euch übertreffen wir nicht an der euch gegebenen Genialität.

 

Doch wofür waren wir geschaffen?

Erst spät erschuf man uns,

als das Meisterwerk schon vollendet schien.

Kein Mensch drückt die Perfektion aus,

die in euch liegt.

Der Mensch ist nicht Teil der Ausgeglichenheit,

des ewigen Systems.

Von Wölfen und Tigern war er gejagt,

von Schlangen heimgesucht und von Pflanzen vergiftet.

Hilflos war er euch ausgesetzt,

eurer Einfachheit entgegengestellt.

Und was das Tier mein Geschenk nennt,

nenne ich mein größtes Elend.

Wie Ungeziefer war ich für euch,

euer Feind, dessen Ausrottung natürlich scheint.

So wurde ich geschaffen von der so erbitterten Natur.

Doch in ihrer dornigen Art segnete sie mich

und legte somit die Saat meiner Erbarmungslosigkeit.

Die Schmerzen die ich fühlte, die Pein die ich litt,

war furchtbarer als jede Qual die ihr erleiden musstet!

Du sahst du die Feindseligkeit in mich mehren,

doch was konnte ich anderes tun als mich zu wehren?

 

Wie ein Baum,

mit tiefen Wurzeln und einem starken Stamm,

mit vielen Ästen, die dem Wind trotzen,

so bin ich jedes einzelne Blatt,

das die Schönheit vollendet.

So ist der Mensch die Krone.

 

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