Artikel getaggt mit "Überleben"

Mordecais Klavier Kapitel 6: Respekt

Gepostet von am August 10, 2016 in Kurzgeschichten, Mordecais Klavier, Uncategorized

Kapitel 6: Respekt

Ich fiel. Es war dunkel, doch ich spürte, dass mich Gestein umgab. Kalte Steine, an denen Moos wuchs. Ich fühlte, wie klares Wasser an ihnen entlang rannte und zählte die Sekunden, die ich mich jetzt schon im freien Fall befand.

Eine Sekunde. Zwei Sekunden. Drei Sekunden.

Etwas umfasste meinen rechten Arm. Ich roch die staubigen Steine und schmeckte das nasse Moos. Auch das kalte Wasser fühlte ich in meinen Händen. Doch ich sah nicht, was mich da so unnachgiebig Richtung Boden drückte.
Ich riss meine Augen auf. Vor meinem Bett stand der junge Mann, mit dem ich gestern im Speisesaal mein Brot teilte. Er fuchtelte aufgeregt mit den Händen und sagte etwas auf polnisch. Ich versuchte aufmerksam zuzuhören, doch ich verstand kein Wort. Ich schüttelte verwirrt den Kopf, sodass er anfing, langsamer zu sprechen. Jetzt verstand ich wenigstens ein Wort: “Sigvarda, Sigvarda!”, sagte er und deutete auf die Tür.

Ich raffte mich aus meinem Bett und zog mir ein Hemd über. Vor der Tür stand die Schwester. Sie sah mich grimmig an: “Wir haben einen Problem.”

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Mordecais Klavier Kapitel 1-5

Gepostet von am Juni 22, 2016 in Kurzgeschichten, Mordecais Klavier

Mordecais Klavier

Kapitel 1: Kopf oder Zahl?

Aus dem Radio hörten wir tosenden Beifall, der mit der Stimme Hitlers immer lauter wurde. Willhelm und ich saßen am Tisch und lauschten dem Radio, das zwischen uns auf dem Tisch stand.

Hitler referierte abermals über das Ermächtigungsgesetz, als Elisabeth den Raum betrat und uns vorwurfsvoll anstierte: “Mach das aus”. Willhelm leistete ihr Folge. Elisabeth schlurfte zum Klavier, das sie mit einer Plane abgedeckt und wo sie nun ihre Spiritousen stehen hatte. Sie goss sich einen Hochprozentigen ein. Ich holte tief Luft – es war noch nicht einmal Nachmittag: “Das Radio auszuschalten löst das Problem nicht,” zischte ich sie an, “die Nazis werden immer mächiger und wir müssen zumindest wissen, was sie vorhaben.” “Und du glaubst ernsthaft, Goebbels erzählt uns was, was wir eh nicht schon wissen?!” Sie sah mich eisig an, “Das ist Propaganda, das nützt uns doch nichts!” Ich konnte dagegen nichts sagen. Seit Mordecai weg war trank sie andauernd,was wir alle bedauerten. Doch Elisabeth war nicht die Einzige, die Angst hatte.

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Schneesturm

Gepostet von am April 1, 2016 in Kurzgeschichten

Es war diese grässliche Rastlosigkeit.

Dieser ständiger Drang, sich bewegen zu müssen, gepaart mit der furchtbaren Vorahnung, dass eine etwas zu unsichere oder zu steife Bewegung mit etwas Pech ein tödliches Ende nähme.

In diesem Dilemma befanden sich natürlich erstmal die Neulinge, die die Front zuvor noch nie gesehen hatten. Aber je länger er hier nun an der Front feststeckte, umso mehr hatte er das Gefühl. dieser Drang käme zurück.

Ebenso machte ihm das Atmen zu schaffen. Er spürte eine impulsives, eisiges Zerren in seiner Brust, sein Hals war wund und schmerzte vom rasselnden Husten, der ihn plagte.

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