Artikel getaggt mit "Widerstand"

Mordecais Klavier Kapitel 9: Angst und Vorausahnung

Gepostet von am Mai 19, 2017 in Mordecais Klavier

Als Pastor Hoeffers Kopf wie der eines Schuljungen aus der Tür seiner Kirche lugte, war es schon am Dämmern. Er wirkte verängstigt, doch vielleicht fror er auch nur aufgrund des aufkommenden Winters. Seine Kutte wehte leicht, doch er hielt sein Holzkreuz fest umschlossen. Man konnte nicht genau erkennen, ob er das Kruzifix vor dem Wetter schützen oder das Kreuz näher an sein Herz drücken wollte. Es war ein schlichtes Kreuz, bescheiden wie der Gottesmann selbst, doch für ihn hatte es einen ungeheuren Wert.

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Mordecais Klavier Kapitel 8: Herbstfrost

Gepostet von am April 1, 2017 in Mordecais Klavier

Herbstfrost

Die Tage vergingen und langsam schleppte sich unser Schicksal von Woche zu Woche, um jede Stunde, in der wir den Anmarsch der SS fürchteten. Wir wollten zurück, wie vereinbart nach zwei Wochen, doch der Pfarrer bat uns inständig in seinen Briefen, auszuharren.

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Mordecais Klavier Kapitel 1-5

Gepostet von am Juni 22, 2016 in Kurzgeschichten, Mordecais Klavier

Mordecais Klavier

Kapitel 1: Kopf oder Zahl?

Aus dem Radio hörten wir tosenden Beifall, der mit der Stimme Hitlers immer lauter wurde. Willhelm und ich saßen am Tisch und lauschten dem Radio, das zwischen uns auf dem Tisch stand.

Hitler referierte abermals über das Ermächtigungsgesetz, als Elisabeth den Raum betrat und uns vorwurfsvoll anstierte: “Mach das aus”. Willhelm leistete ihr Folge. Elisabeth schlurfte zum Klavier, das sie mit einer Plane abgedeckt und wo sie nun ihre Spiritousen stehen hatte. Sie goss sich einen Hochprozentigen ein. Ich holte tief Luft – es war noch nicht einmal Nachmittag: “Das Radio auszuschalten löst das Problem nicht,” zischte ich sie an, “die Nazis werden immer mächiger und wir müssen zumindest wissen, was sie vorhaben.” “Und du glaubst ernsthaft, Goebbels erzählt uns was, was wir eh nicht schon wissen?!” Sie sah mich eisig an, “Das ist Propaganda, das nützt uns doch nichts!” Ich konnte dagegen nichts sagen. Seit Mordecai weg war trank sie andauernd,was wir alle bedauerten. Doch Elisabeth war nicht die Einzige, die Angst hatte.

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